Die hässliche Seite der Mutterschaft

Machen wir uns nix vor: Spätestens, wenn die Kinder geschlüpft sind, verwandelt sich der schwangere Schmetterling in eine reizlose Raupe. Aber anstatt diesen neuen, hässlichen Körper möglichst schnell wieder unter Kontrolle zu bringen, lassen wir ihn auch noch schleifen.

Denn obwohl uns bereits direkt nach der letzten Presswehe eine Vielzahl straffender Übungen zur Auswahl stehen (die wir wegen unseres ramponierten Untergeschosses sogar prima im Stehen durchführen könnten), lümmeln wir uns lieber durch das Wochenbett, sind später meistens eher müde als sportlich und verputzen mehr Kalorien, als wir beim anschließenden Staubsaugen verbrennen.

Natürlich können wir vorerst mit Make-Up und Spandex-Wäsche fudeln, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem uns die nackte Wahrheit aus der Dusche und vor den Badezimmerspiegel zerrt.

Da stehen wir dann und blicken deprimiert auf einen Körper, der irgendwann einmal 20 war und jetzt irgendwie und irgendwo immer zu fett, zu flach oder zu faltig ist.

Jetzt hilft natürlich nur noch eins: das chirurgische Ausradieren all jener Spuren, die uns diese garstige Mutterschaft eingebrockt hat.

Und damit das auch wirklich jedes Kind kapiert, gibt es endlich ein passendes Bilderbuch zu diesem Thema.

Geschrieben hat es der New Yorker Schönheitschirurg Dr. Michael Salzhauer, und er hat es My fuckable, pardon, My beautiful Mommy genannt.

Erzählt wird die Geschichte von Mommy, die, eine Hakennasenkorrektur und Bauchdeckenstraffung später, aus ihrem Mullbindenkokon schlüpft und endlich wieder ein hübscher Schmetterling ist.

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Anhand dieser bezaubernden und liebevoll illustrierten Geschichte können Kinder, in diesem Fall Mommys Töchterlein, bereits von klein auf lernen, dass (und an dieser Stelle möchte ich gerne Kalle Grabwoski aus Bang Boom Bang zitieren) man auch an einer super Braut mitunter noch einiges optimieren kann.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Präventionsarbeit mittels Überarbeitung bestehender Kinderbuchklassiker. Nachdem ja die Biene Maja bereits Wespentaille trägt und selbst dem neuen Pumuckel keine Plautze mehr aus dem Hosenbund quillt, könnte man zum Beispiel Otfried Preusslers kleine Hexe endlich darauf hinweisen, dass, Winter hin oder her, sieben übereinander getragene Röcke einfach immer einen fetten Hintern machen.

Die kleine Hexe braucht dringend eine neue Nase. Foto: Andrea Litzenburger

Und auch den ganz Kleinen sollten wir dieses gesellschaftsrelevante Thema möglichst frühzeitig zugänglich machen. Schließlich ist das Leben kein Wimmelbauernhof.

Mama Huhn sucht ihre Taille. Foto: Andrea Litzenburger

Außerdem sollten Texte, die fälschlicherweise suggerieren, dass man sich nicht auf dem OP-Tisch, sondern nach einer Woche voller Völlerei in einen hübschen Schmetterling verwandelt, unbedingt korrigiert werden.

Die Raupe Nimmersatt. Foto: Andrea Litzenburger

 

Tja, oder vielleicht schlagen wir demnächst einen völlig anderen Weg ein. Nämlich den in die Familiensammelumkleide im Schwimmbad.

Dort setzen wir uns dann alle dem realen Anblick völlig durchschnittlicher, nackter Elternkörper aus, und am Ende der ganzen heilsamen Spannerei behält dann nicht mehr Dr. Salzhauer oder Kalle Grabowski, sondern Marilyn Manson Recht:

We will no longer be oppressed by the fascism of beauty!

 

Für diesen Moment,
wenn alles baumelt. Außer der Seele beim Blick in den Spiegel.
Oder die Bunte.

Familie Moore in der Bunten. Foto: Andrea Litzenburger

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35 Gedanken zu “Die hässliche Seite der Mutterschaft

  1. Ein Buch? Cool. Dann kommen meine Lachmuskeln ja bald auf ihre Kosten. Oder wird es ein gaaaanz ernstes Buch???
    Dieses Kinderbuch werde ich natürlich meiner Tochter zu Weihnachten schenken,damit sie versteht was hier Sache ist und mir nicht täglich sagt, mein Bauch sehe aus wie schwanger!!!

    Scherz !

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      1. Da fällt mir eine SATC-Folge ein, als jemand zu Miranda im Kasino sagt, sie solle ihren „fetten Arsch“ zur Seite bewegen und Carrie sich umdreht und ruft: „Sie hat einen fetten Arsch, weil sie gerade ein Baby bekommen hat. Und was ist ihre Ausrede, Sir?“

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  2. der herr salzhauer sollte sich vielleicht mal den österreichischen film „ich seh ich seh“ anschauen. nur so zum ausgleich…
    liebe grüsse, martina
    (eine stille leserin, welche dich sehr für deine treffende, bissige, humorvolle schreibe bewundert)

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  3. Hallo Andrea.
    Ich habe gerade am neuen Rock den EinKiloschaffichnoch- Abnäher weggelassen. Und Plätzchen gebacken und gegessen.
    Ganz vielen Dank. Für mein gutes Gewissen 😉
    Sabine

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  4. Aaaaaalos. Was soll ich sagen? Da es mir irgendwie an Willen, Geld und Wahnsinn mangelt, fürchte ich, demnächst von meinen Kndern verlassen zu werden. Selbstredend nur aus ästhetischen Gründen.
    Na, so lange der Mann da bleibt …
    Oder, wie ich schon seid Jahren zu meiner Nichte zu sagen pflege: „Es gibt einen guten Grund, warum man erst heiraten und dann erst Kinder kriegen sollte: Dann können uns die Männer nicht so einfach verlassen!“
    Hahaha.
    Diesen Dok würde ich ja nur zu gern mal in die Finger bekommen …
    Oder wie ich mal in `nem Tweet schrieb: Bei Männern hängt von Anfang an alles faltig runter – und, beschweren wir uns???

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  5. You made my day…! Wochenende mit krankem Mann und drei kranken Kindern irgendwie überstanden und nachdem jetzt alle im Bett liegen, bei dir vorbei geschaut…mit einem Funken Hoffnung auf was Tolles…Tränen gelacht:-) du bist der Knaller!!!

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  6. „Verputzen mehr Kalorien, als wir beim anschließenden Staubsaugen verbrennen“ – haha, ich kann gar nicht so viele Kalorien verputzen, wie mir durch’s Stillen ausgesaugt werden. 😉
    Das Lustige ist doch, dass die Promi-Damen auf diesen „Wow, seht euch das an, gerade entbunden und schon wieder rank und schlank“-Fotos doch recht oft halbwegs kaschierende Kleidung tragen oder man zumindest nicht wirklich sehen kann, wie der Bauch tatsächlich aussieht. Denn auch wenn sich das hängende Gewebe nach einiger Zeit (dank Rückbildungsgymnastik) halbwegs geglättet hat, ist ja vielleicht trotzdem alles zerrissen. Ich nehme es also einfach wie es ist. Und neulich war ich schon versucht, als ich mich zum Toilettenbesuch in ein Restaurant geschmuggelt habe, mich als schwanger auszugeben – der Bauch ist ja noch da. 😉

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  7. Sorry, dass ich mich jetzt erst melde, komme gerade von meiner „Generalüberholung“ : Der Chirurg hat ein Meisterwerk aus mir gemacht. Ich bin jetzt wieder körperfrisch wie mit 18! Goil!

    Jetzt kapiere ich auch, was sooooo ewig aus NY bis zu dir brauchte. 😉
    Meine Hirse ratterte nämlich deswegen unentwegt. Ein bisschen Stillstand tut mal gut. Haahaaaa!

    Und sonst so?
    Applaus! Applaus!
    Ich warte ja noch, dat du rumkomms! ❤️❤️

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  8. Schön war einer meiner Lieblingsberichte über Oliver Pocher: Während man über deine damalige Frau lästete , weil bei ihr noch Reste der Schwangerschaft zu sehen waren, schrieb nahm über ihn : Oliver Pochen „trägt“ sein“ Ich fühle mich wohl Bäuchlein“ spazierten. 🙂

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  9. APPLAUS!

    Für den Freund meiner lieben Freundin, der sie während der Schwangerschaft nachts ganz ängstlich weckte und besorgt fragte: „Das nimmst du nach der Geburt aber auch alles wieder ab, oder?“

    P. S.: Habe deine sprachlichen Glitzersteinchen sehr vermisst und bin nun endlich wieder glücklich! 🙂

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