Arschbombe

Im Schulsport war ich immer eine Gurke. So wie meine Mutter. Die hat daraus auch nie einen Hehl gemacht. Mein Vater, der selbst mit einem 2/3 Lungenflügel und Chemotherapie noch Rennrad gefahren ist, haute allerdings bei jedem „Schulsport: ausreichend“ auf dem Zeugnis mit dem Kopf auf die Tischplatte: „Das hast Du nicht von mir. Das hast Du nicht von mir.“

Dabei hatte ich nicht einmal ein gesellschaftlich anerkanntes Sportgurkendefizit wie Übergewicht oder ein zugeklebtes Brillenglas. Ich war einfach ein ganz durchschnittliches, wenn auch auffallend unsportliches Mädchen.

Daran muss ich denken, als ich vor zwei Wochen mit unserem kurzen Kind auf dem Arm am Beckenrand (wo ich zur Abwechslung mal keine Jugendlichen zusammenscheiße) im Schwimmbad stehe.

Mein Mann, damals wie heute ein Sportfeststreber allererster Klasse, steht neben mir und kann froh sein, dass ich ihn trotz seiner ganzen Angeberehrenurkunden im Schrank geheiratet habe.

Gemeinsam warten wir auf das große Kind, das im Übungsbecken Woche für Woche seinem heiß ersehnten Seepferdchen entgegenstrampelt.

Ich schaue der Schwimmlehrerin zu, die mit einer Horde anderer Schwimmlehrer eine Horde Vorschulkinder durchs Wasser scheucht. Ich finde sie ein bisschen rabiat, weil sie im Gegensatz zu mir und meinem perfekt sitzenden Jesper-Juul-Badeanzug keine Sätze wie „Ich finde es schön, dass Du den Armkreisfrosch magst“ von sich gibt.

Ich muss an meine eigenen SportlehrerInnen denken. Dieses sonnenbankgebräunte Trainingsanzugträgerpack, das mir mit Trillerpfeife um den luftgetrockneten Hals und vom Raucherhusten begleitet entgegen schrie: „HÖR AUF ZU HEULEN, HECKER!“ 

Ich habe es in meinem ganzen Leben nicht ein einziges Mal über den Bock beim Geräteturnen geschafft, sondern thronte nach dem Sprung immer breitbeinig und gedemütigt auf dem verfluchten Holzkasten. „SCHWING DEINEN HINTERN DARÜBBBA, HECKER!“

Wie ein nasser Mehlsack hing ich an den Ringen und war tatsächlich nie in der Lage, mich auch nur eine Zahnstocherlänge an den Scheißdingern hängend hochzuziehen. „HOCH! HOCH! HOCH, HECKER!“

Soeben höre ich die Schwimmlehrerin meinen Sohn anbrüllen: „Schwimmen ist nicht Planschen! Schwimmen ist Sport!“ und nachdem er sofort damit aufgehört hat, dem Mädchen neben sich (das er „sooo dooof“ findet) die mit Schwimmbadwasser gefüllten Backen ins Gesicht zu strahlspucken, ruft sie ihm zu:

„Also los! Kopf hoch! Beine zusammen, Arme auseinander!“

Er schwimmt eine Bahn. Sie schaut zu mir hinüber und schreit: „Der macht das super. Der hat überhaupt keine Angst.“ Und dann brüllt sie das nächste Kind an. Ja, sie brüllt. Laut, aber nicht unfreundlich. Schließlich muss sie sich in dem Becken voller Trainer und Kinder Gehör verschaffen.

Der Junge, der nach meinem Sohn schwimmen soll, ist eine Sportgurke. Für so was hab ich ein Auge. Er traut sich nicht mit dem Kopf unter Wasser, und überhaupt klammert er sich am Beckenrand fest, während der kleine Angeber vor ihm eine Schneise durch das Wasser pflügt, als ob er im Leben noch nie etwas anderes getan hätte.

Während ich den Jungen beobachte fällt mir ein, dass ich in der 7. Klasse mal während der Bundesjugendspiele nach Hause gegangen bin. Ich war auf dem Weg zum 1000-Meter-Lauf und ging stattdessen einfach (ohne mich abzumelden) nach Hause. Ich habe den ganzen Heimweg Rotz und Wasser in meinen Turnbeutel geweint, weil ich von vorne herein wusste, dass ich, an allen Wartenden vorbei, als Letzte durchs Ziel laufen würde.

Am liebsten möchte ich jetzt zu der kleinen Gurke hingehen und ihm sagen: „Du musst das nicht tun, wenn Du nicht willst.“ Aber ich bin vermutlich auch die Einzige hier, die älter als 6 Jahre ist und immer noch kein Seepferdchen hat.

Und während ich dem fremden, nichtschwimmenden Angsthasen schon fast meine Hand reichen will, um ihn aus der Sportbeckenhölle zu ziehen, taucht neben ihm die Schwimmlehrerin auf.

Aber erstaunlicherweise brüllt sie gar nicht: „HÖR AUF ZU HEULEN, HECKER“ in sein Ohr, sondern sagt einfach in ganz normalem Ton: „Du brauchst keine Angst zu haben. Du schaffst das.“

Sie sagt das mit fester, schnickschnackloser Stimme, die keinen Zweifel daran zulässt, dass sie an die kleine Schissbuxe mit den Schwimmscheiben glaubt.

Und der Kleine schwimmt los.

Und geht unter.
Spuckt Wasser. Hustet und würgt.

Wird gehalten.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Du kannst das.“

Und er schwimmt weiter. Geht wieder unter.
Taucht wieder auf.

Hustet.
Und schwimmt den Rest zu Ende wie ein Großer.

Am Beckenrand angekommen, dreht er sich um und strahlt irre stolz über das ganze Gesicht. Die Schwimmlehrerin nickt ihm zu, weist meinen Sohn in die Schranken, der in irgendeinen kollektiven Blödsinn mit Tauchringen verwickelt ist, und schwimmt wieder zurück zum nächsten Kind.

Ich lasse dieses Bild noch einen Moment auf mich wirken, bevor ich meinem Mann das kurze Kind in die Hand drücke und gehe. Weil ich jetzt etwas tun muss, das ich bereits vor 30 Jahren hätte tun sollen.

Ich gehe aus dem Trainingsbereich hinaus und zum Sprungbecken.

Ich klettere die Leiter hinauf und gehe langsam den Steg bis zum Ende. Ich schließe meine Augen und denke an das kleine Mädchen, das sich immer und überall vor Angst in die Hose gemacht hat.

Und dann springe ich.

Als ich wieder auftauche, kann ich es kaum glauben.

Hecker hat endlich aufgehört zu heulen.
Hecker, die heute gar nicht mehr so heißt, ist gesprungen.

Ich klettere wieder aus dem Sprungbecken und strahle über das ganze Gesicht. Genau so wie vorhin die kleine Schissbuxe mit den Schwimmscheiben.

Tatsächlich bin ich so dermaßen gerührt und glücklich, dass ich für einen kurzen Moment befürchte, mir schießt die Milch wieder ein.

Als ich im Trainingsbereich ankomme, hüpfen die Seepferdchenanwärter gerade in der Abschlussrunde vom Beckenrand. Ich stelle mich wieder neben meinen Mann. Er schaut zu mir hinunter und fragt: „Wo warst Du?“ und ich antworte irre stolz:

„Ich hab eine Arschbombe vom 1-Meter-Brett gemacht!“

 

Für die Bundesjugendspiele.

Ich habe gehört, dass sie Euch abschaffen wollen, und erst wollte ich ihnen „Richtig so. Gebt’s dem Arschloch“ zujubeln.

Aber vielleicht sollten wir stattdessen lieber Eltern abschaffen, die sich mit der flachen Hand an die Stirn hauen, weil ihre Kinder defekte Sportskanonen sind.

Oder Eltern, die ihren Kindern bereits von klein auf vorleben, dass man für acht Treppenstufen lieber den Fahrstuhl nimmt.

Oder Eltern wie mich, die aus Angst vor der Demütigung ihres (eigenen inneren) Kindes solche Sportveranstaltungen am liebsten vom Lehrplan fegen möchten.

 

Nachtrag 09.09.2016:

Dieser Text ist unter den ersten 10 Finalisten des scoyo ELTERN! Blog Award 2016.
Bis zum 16.10.2016 könnt ihr dem Text ein Herz schenken. Das wäre total super, weil es da für mich neben Ruhm und Internetehre auch einen großen Haufen Asche auf die Bahn zu gewinnen gibt. Außerdem könnt ihr selber beim Leservoting € 150.– gewinnen.

Allen Teilnehmern viel Glück!❤

117 Gedanken zu „Arschbombe

  1. Aaaaah Du spricht mir aus der Seele. Ich war auch eine von Deiner Sorte…was hab ich geheult, um meine Mutter zu überreden mir eine Entschuldigung für den Sportunterricht zu schreiben. Und dann dieses Geräteturnen…der pure Horror, wenn Du an der Reihe bist und genau weißt, jetzt bist DU dran und ALLE schauen zu. Schrecklich!
    Ich wünsche mir sehr, dass ich meinen zukünftigen Kindern genau dieses Selbstvertrauen mitgeben kann und sie mit Spaß und Freude an solche Sportevents herangehen können!

    Liebe, unsportliche Grüße,
    FrauBitte

    PS: Mein Mann ist übrigens auch so n Medaillensammler und Supersportler…aber weißte was: Anscheinend suchen die Supersportler sich -entgegen aller Meinung- gar nicht die supersportlichen Mädchen aus, sondern die Sportgurken!!! Halleluja

  2. Aaaah, herrlich!!!
    Ich habe es nie geschafft, ein Rad zu schlagen. Wie demütigend, statt dessen als einzige einen Purzelbaum zu machen. Viel lieber hätte ich bei den Jungs mitgemacht, die sich mit der blöden Bodengymnastik nicht herumschlagen mussten. Dafür hatte ich nie Angst vor Bällen. Aber das hat mir in dem Moment auch nicht geholfen. Ich finde Schulsport ok, aber nicht nach starrem Plan, weil das zu oft alle Lust daran raubt. Cooler wären AGs, wo man sich dann ’seinen‘ Sport raussuchen kann. Hauptsache Bewegung 😀

    1. Exakt, ganz genau!
      Davon hätten auch die Guten was: endlich könnten sie sich mit Besseren messen oder wirklich was dazu lernen. Die wenigen Male Schwimmen fand ich total langweilig, weil ich ohne Anstrengung eine der Schnellsten war, die Lehrerin uns dann aber nichts Neues mehr beibringen wollte, weil nichts anderes auf dem Lehrplan stand. So eine 1 fand ich total geschenkt und nicht als Grund zur Freude.

      Nur der Durchschnitts-Sportler war bei uns im Blick der Lehrpläne, auf dem Radar der Lehrerinnen und auf den sinnvollen Stufen der Bewertungsskalen. (X Sekunden/Meter/etc. macht Note Y)

      Und wenn du irgendwo zu schlecht bist, gibt’s auch keine Möglichkeit aufzuholen. Mit Bällen hatte ich es noch nie, und die super hilfreichen Tipps für’s Volleyball in der 11. Klasse fruchteten zwar, kamen aber nach Jahren „hier-sind-Bälle-macht-was-draus“ einfach zu spät.

  3. HEEEEECKEEEER!!!
    Das haben Sie super gemacht! wie gerne wäre ich bei DIESER Arschbombe dabei gewesen.
    Ich war nicht durch und druch eine Niete im Sport, aber so bald ein Ball mit im Spiel war, war ich (bin ich) die allergrößte Niete im Land.
    Bravo an Dich, dass Du Dich nun von den Sportschissern wegbewegen konntest!
    Liebe Grüße
    Nunu

  4. Danke schön! Ich fand sie auch ätzend. Ich würd sie auch so gerne abschaffen. Ich fand sie demütigend. Aber warum? Ich bin nach Hause gekommen und da hat das kleine Mädchen stolz den Papa gefragt: „Rate mal, was ich habe?“ – „Wieder ’ne 5?“ – Ich hatte in der Grundschule immer nur 1 und 2. Aber nie, nie hat er sich einfach mal nur gefreut. Richtig geraten. Im Sport sah das ähnlich aus. Ich fand es furchtbar und würde diese Sportfeste gerne auch abschaffen.
    Aber irgendwie sind es nicht die Disziplinen an sich.
    Es sind die Eltern.
    Oder die Lehrer.
    Oder die Mitschüler deren Eltern.
    Oder die Finger.
    Oder das Getuschel.

  5. Hecker! High five! Du hast mich bis zur Brille nassgespritzt. Ich bin selber voll die Ballsportobergurke (Schielauge links und suuuper im wirr in der Luft rumfuchteln.) Bin seit 2 Jahren Übungsleiter im Schwimmverein -ohne Schreien geht bei der Akustik nicht. Ich bin jedesmal saustolz wenn in meiner Bleientengruppe wieder ein Kind den ersten Köpper mit ohne Platsch oder die erste Rolle, das erste Mal Gesicht ins Wasser beim Brustschwimmen bringt oder ne Bahn Rücken ohne Umdrehen. Ist cool und macht so stolz.
    Wir machen manchmal Arschbomben Wettspringen – gewonnen hat, wer mich am nassesren spritzt. Du bist heute meine Siegerin. SPORT FREI
    .

  6. Ganz große Klasse…
    Da werden sooo viele Erinnerungen wach.
    An Frustration und Demütigung, den Versuch, sich unter der Dusche zu verstecken, die Angst vor Wasser in der Nase und den befreienden Moment, das erste Mal eine Bahn geschwommen zu sein.
    Einfach toll.

  7. Ich bin auch mal vor dem Schulsport unabgemeldet nach Hause gegangen. HERR WEISS hieß der Turnlehrer, der ich immer als Letzte hat wählen lassen. Zu Hause habe ich gelogen ich hätte Bauschmerzen und durfte deswegen dann nicht bei der Oma übernachten (weil krank und so…). Eine meine ersten und wenigen Erinnerungen an meine Grundschulzeit…

    1. Oh Gott ich auch!! Aber das wollte ich jetzt nicht auch noch schreiben, weil ich vermutet habe, dass ihr dann alle kopfschüttelnd: „Ach komm. Jetzt übertreibt se aber“ ruft.

      PS.: Hömma, ich hab gerade gesehen wo du herkommst und jetzt hab ich Heimweh. *seufz

      1. Da bin ich auch durchgefallen, weil ich nicht verstanden habe, was dieser scheiß- Schulterblick nun sein soll, und dann eben immer beim Abbiegen nur auf meine Schulter geschaut habe. So richtig angekommen ist es dann beim Führerschein.

  8. Danke! Ich bin auch eher unsportlich habe aber seit der 7. Klasse eine tiefe Liebe zum Laufen entwickelt (ausgerechnet!). Warum? Weil ich da einen Sportlehrer hatte, der seinen Beruf geliebt hat und es verstand auch die unsportlichsten Kinder einzubeziehen und zu motivieren. Von ihm habe ich gelernt richtig zu Laufen- und liebe es bis heute.
    Es hat keine der danach folgenden Lehrerinnen geschafft mir das kaputt zu machen. Ich habe bis heute ein gestörtes Verhältnis zum Turnen in jeder Form, aber Laufen tue ich immer noch gern…

  9. Schön geschrieben 🙂 Wie immer gelacht und geschmunzelt und gerührt… ich stimme auch mit deinen Wünschen bei den Eltern überein.
    Bei mir (auch ein Sportslooser) waren nicht die Eltern das Problem sondern die Lehrer! Ich hatte keine wie oben beschriebene Schwimmtrainerin die gesagt hat: Du schaffst das.
    Sondern eben so Lehrer wie Du sie auch hattest. Ich finde das zieht einen in dem Moment richtig runter und man braucht schon sehr viel Widerstandsfähigkeitsfähigkeit um da als Kind drüber zu stehen. Daher wäre ich nicht traurig darum, wenn sie das abschaffen.
    Oder zumindest freiwillig werden und die Kinder die eben Sportlooser sind dürfen was anderes (sportliches) machen, was besser zu ihnen passt.

  10. Ich persönlich mochte die Bundesjugendspiele immer, auch wenn ich eine leicht verkannte Größe war (ich verstehe bis heute nicht, warum man keine Punkte für Minusmeter beim Weitwurf bekommt).
    Das geht soweit, dass ich gerade diese Woche die Bundesjugendspiele für Erwachsene – aka Deutsches Sportabzeichen – absolviert habe. Vielleicht sollten wir unsere Männer mal miteinander bekannt machen. Mein Ehrenurkundenangeber meinte nämlich auf die Frage des Übungsleiters, ob wir beim Sportabzeichen irgendwelche Ambitionen haben: „Also das mit dem olympischen Gedanken ist nichts für uns. Wir wollen nicht nur dabei sein, unter Gold gehen wir hier nicht nach Hause.“
    *imBodenversinkenwolltich*
    Also, wenn sich mein Mann nach überstandenem Muskelkater dann in schätzungsweise drei Wochen wieder bewegen kann, können die zwei ja ihre phänomenalen Wurf- und Sprungweiten im BJS-Quartett miteinander vergleichen.
    Mit sportlichen Grüßen!
    Verena

      1. Gold! Ätsch. Und das obwohl ich langsamer als meine zehnjährige Tochter gelaufen bin. Aber weil man da nicht Ballweitwurf machen muss, sondern Medizinballwerfen. Oder Steinewerfen.
        Tschuldigung, wusste nicht, dass das hier ein elitärer Sportgurken-Club ist. So und jetzt spanne ich meinen shitstormfesten Regenschirm auf und trabe zu meiner Seite zurück, neuen sportlichen Herausforderungen entgegen. 🙂

  11. Ein Jesper-Juul-Badeanzug!!! Also, wenn Du mir dann demnächst abends im Bett aus Deinem Blog vorliest (liest mein Mann hier eigentlich mit???) dann darfst Du den gerne dabei tragen 😉

    Bundesjugendspiele fand ich immer toll, meine Kinder auch! Ist ja auch ein Tag ohne regulären Unterricht 😉

  12. Sehr sehr geil. Und deckt sich mit meiner Meinung.
    Mit ein bisschen mehr Hinschauen, was der EINZELNE kann und wie es für ihn besser klappen könnte, wären auch Bundesjugendspiele kein Problem.
    Wertschätzung fehlt, dann machts auch Sinn für Sportgurken wie uns.

  13. Ach Harmonschn… ich bin wieder de Bummelletzte hier bei den Kommentaren, aber ich habe nüscht gesehen! Wegen dem Gefähnse (sächsisch für: grundlos losflennen), weeßte. <3 Mir hatten ja nüscht im Sozialismus, noch nicht einmal Bundesjugendspiele. Aber dafür Kinder- und Jugendspartakiaden. Das war wohl auch sowas. Ich konnte ja auch nüscht. Außer Russisch und Spagat. Und die coolen Jungs haben auch nicht nach mir geguckt, wenn ich Gorki auf russisch zitiert habe… Aber wenn ich über den Doppelbock geflogen bin wie eine Tupolev! Jetzt weißte, warum ich eine Turnerin war. Alles nur wegen der Liebe <3
    PS. Ich bin noch nie vom Einer gehübbt. Ich bin die Vorstandsvorsitzende aller Schissbuchsen. Und Du unsere Heldin!
    Liebe forever und ewig, Rike <3

    1. Ich habe beim Lesen deines Kommentares tatsächlich gerade ein sehr dreckiges rauchiges Lachen gelacht, was in einem Hustenanfall endete. Dabei rauche ich doch seit 10 Jahren nur noch zwei Mal im Jahr ehrenamtlich…ist sicher ein reinkarniertes Sportlehrerinnenlachen, was mir jetzt mein Karma verhagelt. PS.: Vorstandsvorsitzende der Schissbuxen und Sportgurken selber forvere Liebe und so <3

  14. Und und und… und ich hatte niiie so eine nette Schwimmlehrerin! *schluchz* Die waren aus sozialistischem deutschem Kruppstahl mit Eisenstangen bewaffnet, an denen vorn ein Haken zum Wasserleichenbergen war und und und… das war alles ganz schlimm. Huhuhuhu! Und ich bin so gerührt wegen der Schwimmlehrerin in Deinem Text… Huhuhu! Ich kann nicht mehr aufhören…

    1. Ja die ist wirklich super. Ziehe ernsthaft in Erwägung, mich selber für ihren Seepferdchenkurs anzumelden. Ich würde mir das Abzeichen sogar an meinen figurformenden Badeanzug nähen…sollte ich es in diesem Leben jemals bekommen.

  15. <3

    Bundesjugendspiele, hachja… Ich hab da ehrlich gesagt keine sooo ausgeprägten Erinnerungen dran (ich kann mich nicht mal an meinen Grundschul-Sportlehrer erinnern, stelle ich gerade fest!). Ich fand sie weder schrecklich noch toll, wenngleich die Tendenz eher zu blöd ging. Sportlich war ich nie, aber ich wurde – zumindest in der Grundschule – dafür auch nicht ausgelacht.

    In der weiterführenden Schule hieß das ganze dann Sportfest und war… Naja, einerseits ok, weil kein Unterricht, andererseits halt doof, weil Sport. 😉 Glücklicherweise ist das Sportfest in 5 Jahren weiterführender Schule sicherlich 3x aus Wettergründen ausgefallen. Yay! 😀 In der Oberstufe mussten wir dann nicht mehr, dafür hatte ich eine schreckliche Sportlehrerin, die eindeutige Lieblingsschülerinnen hatte und mir mal diagnostiziert hat, mit meinen "grobmotorischen Fähigkeiten" könnte ich nun mal nicht über eine 4- herauskommen. Ähm, ja, die grobmotorischen Fähigkeiten sind mir wohl urplötzlich in der 12. Klasse abhanden gekommen.

    Ich finde, man sollte nicht die Bundesjugendspiele abschaffen, sondern die entsprechenden Lehrer, die es zulassen, dass nur Leistung zählt, dass Kinder ausgelacht werden etc.!

  16. Ich habe mich schlapp gelacht. Tatsächlich habe auch ich noch nicht das Seepferdchen und durch meinen Sohn bin ich vom 3er gesprungen. Allerdings nicht freiwillig. Ich bin ihm nur hinterher um ihn festzuhalten, als mein damals knapp 5jähriger eine 1A-Archbombe vom selbigen machte.

  17. Ich kann dem nur zustimmen, Sport allgemein ging so, nichts hervorragendes aber schwimmen Katastrophe, weil wassserscheu ohne ende. Dem Lehrer fiel nichts besseres ein, als die Wasserscheuen vom Beckenrand zu schubsen,. Schwimmen habe ich natürlich nie gelernt, ich hatte ständig meine „Tage“, wenn Schwimmunterricht anstand.

  18. Ich musste eben ein bisschen weinen, weil auch ich Sportgurke so ne Sport-/Schwimmlehrerin gebraucht hätte – oder so nen Vater („Komm schon, Du Flasche“ hat irgendwie nicht die gleiche Wirkung :-() Danke für die Arschbombe. Das macht meinem seepferdchenlosen Angsthasenherz Mut, das auch schaffen zu können. Für das Kind, damit es weiß, dass man davor keine Angst zu haben braucht. Seufz, sei geherzt <3

  19. Ich bin Vater von 2 sehr sportlichen Mädels, die schon irre werden wenn es draussen regnet und sie nicht den GANZEN Tag (sondern nur zeitweise in Regenklamotten) raus dürfen. Mit anderen Worten, sollte sich da nicht grundlegend was ändern brauche ich mir eigentlich keine Sorgen machen das die BJS meine Kinder belasten werden. Ich selbst gehörte zu meiner Schulzeit auch immer zu den „Sportfeststrebern allererster Klasse“.

    Die Debatte um die Abschaffung der BJS reisst mich dennoch immer wieder von einer Seite zur anderen. Da will ich gerade brüllen „Jawoll, weg mit dem Druck!“, dann lese ich wieder einen Kommentar wie deinen und hinterfrage das ganze erneut. Irgendwie will sich bei mir keine rechte Meinung zu dem Thema einstellen, ich bin unentschlossen wie selten. Ich verfolge die Debatte gespannt, und bin gespannt, ob sich denn auch bei mir mal eine eindeutige Haltung dazu herausbildet.

    Aber davon abgesehen, mal wieder SEHR amüsant und gut geschrieben, danke dafür! 😀

  20. Als Obergurke und Pummelfee, die durch unglückliche Umstände auf einen Gymnasium mit Sportschwerpunkt gelandet ist damals: Danke!

    Neee was hab ich die Bundesjugendspiele gehasst. Ich fand es immer doof, um den Sportplatz rennen zu müssen und habe mich gerne gedrückt. Im Winter fand ich das Pendant mit Geräteturnen aber gar nicht übel. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, mich gedemütigt zu fühlen oder sie gar abzuschaffen. Meine halbe Schulklasse hat Mathe gehasst (was ich total spannend fand). Bis heute hat niemand Mathe zum Wahlfach erklärt.

    Das ist auch ganz ok so. Genauso wie es ok ist, dass unsere Talente völlig unterschiedlich sind und ich in Mathe glänzen durfte, während mein Schlagball immer hinter mir auf der roten Asche landete.

    Es grüßt die immer noch unsportliche Kerstin

  21. Die Beschreibung deiner Sportlehrerin könnte meine ab der 5. Klasse gewesen sein. Das ganze gekoppelt mit einem harten russischen Akzent und einem Pinkfarbenen Ballonseidejogginganzug von dem sie NIE Nicht wenigstens die Jacke auszog…sie machte auch nie was vor und sie hatte ein Herz für Geräteturnen *seufz*….ich nicht und das wusste sie und fand das Grund genug das ich Übungen immer vorturnen sollte. Ich war dann die die sich beim Radüberschlag auf dem Barren den Venushügel prellte und es nur hieß: Dann musst du eben deinen Arsch fester anspannen.
    Die immer zuletzt gewählte beim Brennball und immer zuerst obgeschossene, die langsamte beim Sprinten und die die am kürzesten Sprang trotz langer Beine beim Weitsprung. Von meiner armen Mitschülerin (die ober Sportlerin und tolle Basketballerin, wo ich nicht EINMAL einen Korbleger schaffte *seufz) abgesehen der ich beim Schleuderball das Ding mitten ins Gesicht platzierte weil ich beim drehen einfach zu früh losgelassen hat, wohlgemerkt habe ich sie ca. 3mal getroffen^^… ich habs gehasst und das obwohl ich gar nicht so ne Sportgurke war. Ich hab leidentschaftlich gerne Judo und Jujutsu gemacht, ebenso bin ich lange im Verein geschwommen und laufen gehört noch heute zu meinen Vorlieben.

    Aber Schulsport habe ich gehasst, da hat man nur Dinge gemacht die mir nicht lagen. Von den Bundesjugendspielen mag ich nicht mal anfangen. Und das ist es was ich an den Bundesjugendspielen doof fand: Du musstest dich messen ob du wolltest oder nicht. Ich bin sportlich keine Niete, aber diese Sportarten lagen mir nicht. Das ist ja nicht wie Mathe oder Englisch, sondern der Bereich Sport beinhaltet unglaublich viele Sportarten und ich bin mir sicher das Sportgurken zu Sportgurken gemacht werden weil sie nie den richtigen Sport für sich entdecken und durch diese Misserfolge im Schulsport zu Gurken gemacht werden. Ich fand es z.B. immer schade das es in Bayern zu meiner Schulzeit keinen Schwimmunterricht gegeben hat, da hätte ich mal Erfolg gehabt. Aber ich bin weder ein Ball noch ein Leichtathletikmensch und der Schulsport ist in seiner Auswahl nunmal sehr eingeschränkt. ABER er kann auch Stärken heraus kristallisieren und ich hoffe das Sportlehrerinnen wie meine und deine heute nicht mehr so häufig existieren 😉

  22. Was soll ich jetzt noch schreiben, ist ja alles schon gesagt 😉
    Auch ich habe so gar keine guten Erinnerungen an den Schwimmunterricht…Und tauchen und von irgendwas runterspringen nur im größten Notfall. Schlagballweitwurf ist heute noch mein Ätzwort..

    Also auch von mir Applaus für deinen Mut und den Stolz kann ich sogut verstehen.
    Unser Mittlerer ist auch gerade beim Schwimmlernen und eben auch die kleine Schisserbuchse, zum Glück hat er aber auch liebe Schwimmlehrer erwischt, die ihm meist die Angst ein wenig nehmen.

    Liebe Grüße
    Stephi

  23. Ach, die BJS. In meiner Erinnerung erst schambesetzt, dann Gegenstand pubertärer Verweigerung. Bei den letzten BJS meiner Jugend hatte ich schon den Führerschein und hab vor der Sporthalle im Auto gekifft.

    Aber weißte, was mir so generell nicht in den Kopp will? Warum beim Schulsport Noten vergeben werden. Das macht so ÜBERHAUPT keine Sinn. Keinen. Wenn schon, dann müsste jede/r eine 1 bekommen, der sich redlich bemüht, unabhängig vom Ergebnis. Aber im wahren Leben ist das wohl auch heute nicht so.

    Ich hatte immer maximal eine 3 im Sport, wurde als Letzte bis Drittletzte in die Mannschaften gewählt (auch so eine unsägliche Praxis, dass die Sportlichsten der Klasse Mannschaften wählen dürfen!) und fand alles nur furchtbar demütigend.

    Aber: Der Klassensupersportler, der nebenbei auch noch Landesmeister im Jugendtennis war und den alle Mädels wollten – der war mein erster Freund. Hahahahaha!

  24. Da kann man mal wieder sehen, wie sehr einen Lehrer beeinflussen können. Zum Guten und zum Schlechten.
    Gratulation zur Arschbombe – ich hoffe, Du bist gut gepolstert? 😛

  25. Wieder sehr lustig und natürlich fühle erkenne ich mich wieder – in der 1. Klasse ne 5 im Laufen, Fahrradfahren erst in der 3. Klasse gelernt um auch das Pionierabzeichen zu bekommen, in der 5. Klasse erst Schwimmen gelernt, obwohl ich vom Meer komme, beim Stangenklettern bin ich nie hoch gekommen….das einzige was mir Spass gemacht und worin ich gut war, war tatsächlich Bockspringen!

    Und wie es der Zufall so will, habe ich gerade das hier entdeckt:

    Petition gegen Bundesjugendspiele

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/bundesjugendspiele-mutter-startet-petition-bundesjugendspieleweg-a-1040475.html (habs noch nicht mal gelesen, aber als ich die Überschrift sah, musste ich lachen und an Deinen Text denken, liebe Andrea!)

  26. Achja, ist ja auch schon Donnerstag….aber so komme ich auch vom Spiegel-Artikel zum Blog der Dame.
    Danke…und wenn ich könnte, würde ich jetzt auch mal ein Herz machen – sitze aber an einer PC-Gurke, wo es die tollen Sachen vom iPad irgendwie nicht gibt 😉

    1. Ich beneide dich total um diese Erfahrung die du beschreibst, ich kann aus meiner Warte leider nur sagen das vor allem die BJS ein reiner Spießrutenlauf war. Ich wünschte mir es gäbe mehr so Lehrer wie deine es war, denn dann hätte es in meinem Falle sicher auch keine Häme durch die Mitschüler gegeben.

      1. Ja, das Wie ist eine wichtige Komponente. Ganz klar. Wie gehe ich mit Misserfolgen oder aber auch mit Siegen um? Hier werden Kernkompetenzen erlernt. Mit Hilfe und Unterstützung durch die Schule.

  27. Großartiger Text! Ich war keine generelle Sportgurke – alles mit Mannschaftssport ging super – aber Leichtathletik und Geräte… Ich kann bis heute keinen Feldaufschwung, keine Kugel weiter als 30cm stoßen und wie es möglich sein soll ohne fremde Hilfe ein Seil hoch zu klettern ist mir nach wie vor ein absolutes Rätsel.

  28. Ach weisste ..erst lache ich immer und dann muss ich weinen und dann möchte ich Dich drücken.
    Dankeschön für dein Wortgezauber!

  29. Liebe Andrea,

    mein Sportlehrer trug Radlerhosen in JEANS!OPTIK! und hieß WALLACH.
    Mehr kann ich bis heute nicht über die traumatischen Erlebnisse meines Sportunterrichts sprechen.
    Meine virtuellen Schreiblippen beben.

    Danke für deine arschbombige Aktion. Bis‘ echt ne Feine!

    Penny

    1. Penny!!Penny!!Penny!!
      Sollte deine Schulzeit je verfilmt werden, schlage ich unbedingt und ausdrücklich Ralf Richter für die Rolle vom „Wallach“ vor. (Ach und nimm dies hier <3 Bämm <3 Bämm <3 Bämm)

  30. Boar, ich wurde geherzbämt.
    Ich bin zutiefst gerührt.

    Ralle Richter…muuuuhaaa…PETER TORWART lies, denk nach und „sach Bescheid“!

    Ich revanchiere mich mit fetten Küsschen :-* :-* :-*

    Voll romantisch hier.

  31. Ich hab nur den bronzenen Freischwimmer, weil ich dann aufs Klo musste. Vom Seepferdchen träum ich heute noch. Seufz.

  32. Gefällt mir sehr gut. Finde aber, du kannst die zielgruppenorierten Anticker reduzieren. Hippselschnipsel79 verträgt das. Wette mit Dir um ein Capri, dass Du nach dem Arschbombentraining stolz wie Bolle nicht an einschießende Milch gedacht hast. T

    1. Gerade gelesen. Sehr schön. Schwimmgurkenbruder im Geiste. <3
      In unserem Freibad gab es ein 10-Meter-Sprungturm und mein Vater hatte selbstverständlich eine ganze Zigarrenkiste voller Turmspringmedaillien zum besagtem Turm. Ich hoffe das Jenseits stimmt ihn heute etwas milder und er freut sich trotzdem über die Arschbombe vom 1-Meter-Brett.

      3er…Du Tier!!

  33. Ich liebe dich. So, nun isses raus. Deine Texte! Ich liebe deine Texte! Bei diesem hier habe ich gerade ein Tränchen verdrückt. So eine tolle Schwimmlehrerin.

    Sag mal, ich würde gern einen Kaffee mit dir trinken. Bei #blomm war unser Treffen eindeutig zu kurz. Deal?

  34. Arrrggghhh, ja!!! Bei mir waren es die Bundesjugendspiele. Habe ich gehasst! Gab ohnehin nie, nie und nimmer die Chance auf mehr als eine Siegerurkunde. Warum man sich vor versammelter Mannschaft dafür so quälen muss, habe ich ehrlich gesagt nie verstanden und war heilfroh als dieser Tag wieder vorbei war

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