Wie man die Zombieapokalypse als Familie überlebt

You know it’s thriller, thriller night
You’re fighting for your life inside a killer, thriller tonight

Es ist ja nicht so, als ob wir vor der Geburt der Kinder ein Herz aus Stein hatten. Aber mit Geburt der kleinen Weichmacher wird es so weich wie ein im Sonnenlicht platziertes Stück Butter. Das wiederum ist äußerst kontraproduktiv, wenn man z. B. The Walking Dead schaut, wo am laufenden Band Eltern und ihre Kinder in apokalyptischer Lebensgefahr schweben.

Hatte man ohne Kinder noch einen fiktiven Gefallen an der Vorstellung, sich arschcool hoch 12 seinen Weg durch eine zombieüberrannte Kleinstadt zu schießen, gräbt man sich heute lieber ein fiktives Loch, um dort mit der gesamten Familie die Apokalypse auszubibbern.

Die ganze empathische Distanz, die uns früher erlaubt hat, selbst bei Zombiekindern keine Gnade zu kennen, lässt uns heute als Elternzuschauer das hochsensible Blut in den Adern gefrieren.

Vielleicht sollten wir einfach ein fiktives Team zusammenstellen, mit dem wir als Familie eine realistische Überlebenschance der Zombieapokalypse haben.

Macht Platz, Rick und Daryl. Hier kommt:


Das Zombieapokalypse-Survival-Team mit dem Prädikat „familienfreundlich“


1. Trageberater/in

Neben den Kindern müssen wir sicher immer wieder im Laufschritt verschiedene Dinge transportieren. Ich möchte dann auf jeden Fall, dass meine Kinder neben Shotgun und Feldflasche in der anatomisch korrekten Anhockspreizhaltung durch die Apokalypse geschaukelt werden.

(Das heißt allerdings nicht, dass man andere Mütter, die ihre Kinder während der Plünderung eines Supermarktes in – lustigerweise so genannten – Gruseltragen transportieren, beschimpfen und belehren sollte. Sämtliches Bashing bitte auf Untote fokussieren.)

2. Waldorfpädagoge/in

Da mag man angesichts der Vorstellung von gefilzten Bolzenschussgeräten und der eurythmischen Darstellung von „Hilfe! Hilfe! Beiß mich nicht!“ seine helle Freude haben, aber langfristig betrachtet ist es sicherlich für uns und künftige Generationen von immensem Vorteil, wenn wir etwas von Handwerk, Gartenbau und Buchbinden Feldvermessung verstehen.

3. Rollenspieler/in

Ich kann gar nicht genug betonen, wie viele Vorteile Rollenspieler/innen mit sich bringen. Sie sind in der Lage, jenseits des Mainstreams zu denken, in verschiedene Rollen zu tauchen, die irrwitzigsten Pläne auszuhecken und verfügen in der Regel über große theoretische Kenntnisse im Bereich der Herstellung und Nutzung von Waffen.

Leider sind sie oft nicht ganz dicht. Aber solange ihre Nahkampfstrategie nicht darin besteht, einem heranschlurfenden Untoten eine Handvoll Würfel ins Gesicht zu werfen, bringt ihre Andersartigkeit für die Durchführung so mancher Aufgaben sicher erheblich mehr Vor- als Nachteile.

4. Shaolin-Mönch

Bedenken wir, dass es sich um die Zombieapokalypse handelt. Wir werden also jemanden brauchen, der uns spirituell begleitet und dennoch eine ordentliche Prügelei anzetteln kann. Da die meisten Geistlichen, die ich kenne, lediglich rhetorisch statt physisch austeilen können (abgesehen vielleicht von Don Camillo), habe ich mich für einen Shaolin-Mönch entschieden.

Shaolin-Mönche sind nicht nur exzellente „Aus-Zombies-Kleinholz-Spalter“, sondern bewahren allzeit ihre meditative Ruhe und werden sich (angesichts apokalyptischer und frisurentechnischer Zustände) einfach niemals die Haare raufen.

5. Rupert Murdoch

Jedes Team braucht einen Köder Anführer. Jemanden, der als Erster die scheinbar menschenleere Kleinstadt betritt, die Vorhut auf Baumarktraubzügen bildet oder seine Nase zuerst in einen finsteren Wald steckt.

Warum sich ausgerechnet Ruper Murdoch für diese überaus wichtige Rolle qualifiziert hat?
Weil er für die Absetzung der Serie „Firefly“ verantwortlich ist. Unter anderem.

6. Trottel

Machen wir uns nix vor. Jede Zombieapokalypse braucht jemanden, der hysterisch schreit, grundsätzlich in die falsche Richtung läuft, dessen körperliche Konstitution jede Menge Wünsche offen lässt, und dem man nur mit hochgezogenen Augenbrauen eine geladene Waffe geben möchte, weil er sich vermutlich erst in beide Füße geschossen hat, bevor er einen Zombie trifft.

Im Klartext also jede einzelne Mutter, die mir in den letzten 5 Jahren in Pekip-Krabbelgruppen-Musikgarten-Stilltreff-Elternbeiratssitzung über den Weg gelaufen ist (mich eingeschlossen).
Aber es ist nicht unsere Schuld. Es liegt daran, dass wir einfach IMMER müde sind.

Trotzdem würden wir nicht einmal im Stadion von Lazio Rom einen einzigen Hooligan finden, der auch nur ansatzweise so gewaltbereit ist wie eine Mutter, deren Kinder in Gefahr schweben.

7. Held/in

Jedes Endzeitteam steht und fällt (weniger) mit einem Helden.
Auf der Suche nach einer apokalyptischen Führungskraft dachte ich natürlich an hochdekorierte Zivildienstverweigerer wie die sehr, sehr, sehr coole Kara „Starbuck“ Thrace (Battlestar Galactica) oder den pfiffigen Colonel John „Hannibal“ Smith (A-Team).

Aber auch abgehärtete Endzeitprofis wie Buffy „The Vampire Slayer“ oder Xena, die Kriegerprinzessin verfügen über hinreichend Erfahrung im Raufen mit Untoten und anderem apokalyptischen Gesindel.

Am Ende habe ich mich aber doch für den ehemaligen Schalkeprofi Hans Sarpei entschieden.

Denn selbst wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass Hans Sarpei Abwehrkräfte aktiviert (!) und mit zwei Fingern drei Bier bestellen kann (!!!), verfügt er über die eine, alles entscheidende Fähigkeit, die über sämtliche Eigenschaften aller oben genannten Personen erhaben ist:

Wenn Hans Sarpei von einem Zombie gebissen wird, verwandelt sich Hans Sarpei nicht in einen Zombie, sondern der Zombie in Hans Sarpei.

U N G L A U B L I C H.

Wir können also künftig wieder gelassen zuschauen, wenn eine Horde Untoter die stinkende Weltherrschaft an sich beißen möchte. Denn sollte die virale Endzeit irgendwann tatsächlich um sich greifen, heften wir uns einfach mit der gesamten Familie an die zombieresistenten Fersen von Hans Sarpei.

Denn die postzombieapokalyptische Welt, die wir unseren Kindern irgendwann hinterlassen werden, wird eine bessere Welt sein.

Eine Welt voller Hans Sarpeis.

 

Für Matthias.
Zu meinem vollkommenen Glück fehlt mir nur noch ein Ehevertrag mit folgendem (auf dem Roommate Agreement von Sheldon Lee Cooper basierenden) Inhalt:
„In the event one family member is bitten by a zombie, the other family member can’t kill him, even if he turns“.

Für Claudia und Lisanne,
meine Zombiedehydrationstheorieerläuterinnen.
Ihr seid wundervoll.
Ich werde Euch trotzdem überfahren, wenn ihr Euch infiziert. ❤

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27 Gedanken zu “Wie man die Zombieapokalypse als Familie überlebt

  1. Klasse Artikel; genauso gehts uns auch! Mein Mann und ich können seit wir Kinder haben nichts mehr schauen, wo irgendwas mit Kindern passiert 😉
    The Walking Dead ist da schon extrem grenzwertig…

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  2. Eine sehr schöne Auflistung. In Ergänzung zu Rupert Murdoch könnte noch die Rolle des Kanonenfutters besetzt werden. So wie bei Star Trek, wenn Komparsen mit zum Außeneinsatz auf einen Planeten mitgehen mussten, was sie immer mit ihrem Leben bezahlen mussten. Das erhöht dann auch die Wahrscheinlichkeit, dass die eigentlichen Helden (d.h. wir Eltern) überleben. Zur Besetzung schlage ich die Autoren von „Jedes Kind kann schlafen lernen“ vor.

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  3. *lach* – Danke für das breite Grinsen am Nachmittag. Du solltest Deine Beiträge zu einem Buch drucken lassen. Ich habe selten so gelacht, wenn es um das Thema Kind ging. Denn sonst sind die Eltern da immer bitterernst, wenn es um das Wohl der Thronerben geht.
    Bitte verliere Deinen Humor und Deine Schreibe nicht.

    Herzliche Wochenendgrüsse
    Susi

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  4. 😀 Sehr schön!
    Aaaaaber: Wie konntest Du Chuck Norris vergessen? *Kopfschüttel* Du weißt schon: Chuck Norris braucht keine Uhr, ER bestimmt, wie spät es ist! 😉
    Evtl. auch noch eine gute Verstärkung: Das Mauerblümchen, das stille Mäuschen, das vorsichtig und mit leisem Stimmchen durchs Leben huscht, angesichts der Zombiemassen dann allerdings all die unterdrückte Wut sämtlicherLebensjahr explosionsartig rauslässt, durchdreht, und Euch beidhändig aus Kalaschnikows schießend den Weg freiballert?! 😉

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  5. Und auch noch praktisch: ein/eine vorgebliche Intellektuelle! Jemand, der/die möglichst unvermittelbare Studiengänge bis zum Magister studiert hat. Der/die zu allem eine halbgare, aber überzeugt vorgetragene Meinung hat. Weil gefährliches Halbwissen allen Krisensituationen erst den richtigen Schmackes verleiht. Ich biete mich da gerne an *hust*

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  6. Schon länger lese ich still vor mich hin grinsend,meist beim Stillen des Jüngsten Deinen Blog und denke immer wieder: Genauso ist es, Sie hat es mal wieder auf den Punkt getroffen.

    Und nun kann ich auch beruhigter der neuen Walking Dead Staffel entgegen fiebern mit dem beruhigenden Wissen, das ich mit meinen 2 ergonomisch korrekten Tragen plus 1 Ringsling und 1 Tragetuch meine 4 Kinder plus Mann sicher durch die Zombieinvasion schleusen kann.
    Und da ich täglich den Alltagswahnsinn mit 4 Kindern, Mann und 2 Hasen meistere, bin ich für die Zombiebekämpfung gut gewappnet 🙂

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  7. Andrea, tausend Dank für diesen tollen Text! Darauf habe ich fast jahrelang gewartet, echt jetzt! Endlich weiß ich um unsere guten Chancen in der Apokalypse( Manduca : check , Rollenspieler: check , Ex-Waldikind: check … usw.) und mir fällt ein Stein vom Herzen (vllt. traue ich mich jetzt auch noch an die 3.Staffel twd…). Außerdem habe ich schallend gelacht und bin gutgelaunt in den Montag gestartet. Danke!!

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  8. Eigentlich wollte ich keinen Kommentar verfassen obwohl ich lese, lese, lese und dabei die ganze Zeit denke „Ja!“ *pruuuust* „Genauuuu!“ *kicher* und sämtlichen Freundinnen diesen Blog wärmstens ans Herz gelegt habe. ABER JETZT! Jetzt guckst du auch noch WALKING DEAD! *seufz* Gibt es so was auch als Mann? Der sollte aber bitte kein Weglaufkreischer sein!

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