Die Damen von Oz

Nachdem ich in letzter Zeit recht häufig „Der Zauberer von Oz“ vorgelesen habe (und einen Unfall im Kinderzimmer hatte, aber dazu komme ich später), frage ich mich, was ich mir wohl vom Zauberer von Oz wünschen würde.

Verstand? Herz? Mut?

Hab ich doch alles. Was ich aber nicht habe, wäre zum Beispiel ein Stündchenhotel, Holodeck oder Zeitreisebüro. Ich glaub, ich schreib das Märchen mal neu…

Als Erstes würde ich mit meiner Doppelhaushälfte nicht auf der Hexe landen, denn egal wie sehr mich andere Frauen manchmal nerven, ich muss sie deswegen weder umlegen, noch ihnen ihre Schuhe wegnehmen. Nicht einmal Mutter Natur würde ich einen alten Kühlschrank auf den Wald werfen, nur weil sie mir keine lockigen Haare geschenkt hat.

Seien wir also weniger gehässig und vermitteln der Hexe lieber den Kontakt zu anderen Hexen, damit sie gemeinsam ein wenig Selbstreflexion betreiben können.

Einmal auf den Weg gemacht, würde ich definitiv auf die Gesellschaft von Vogelscheuche, Blechmann oder Löwe verzichten, weil ich nämlich auf der Yellow Brick Road lieber meine Ruhe hätte, was allerdings unmöglich ist, wenn mir ständig jemand in die Ohren jammert, dass er leider doof, ängstlich oder hohlräumig ist. Es gibt ja auch genug Gründe, warum man den Jakobsweg alleine gehen sollte.

So laufe ich also zufrieden und ohne Mitläufer im Schlepptau direkt zum Schloß. Es zahlt sich einfach aus, wenn man, statt sich gegenseitig Dinge an Häuser auf den Kopf zu werfen, einen freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen pflegt, denn ich begegne auf meinem Weg keinem einzigen fliegenden Affen.

Der Lalai Lama erklärt das so: „Ein Unglück, das uns heute wiederfährt, ist die karmische, auf Ursache und Wirkung beruhende Vergeltung eines Unrechts, das wir anderen zugefügt haben.“ Und Hilmi Sözer in Bang Boom Bang so: „Is‘ Kreislauf, verstehst du?“

Nun betrete ich den Palast vom Zauberer von Oz, aber in meiner Version würde da hinter dem Vorhang kein kleiner, alter Lügner warten, der mir das Blaue vom Himmel runterhochstapelt, sondern ein Kaminzimmer mit drei Ohrensesseln, einer Kanne Roiboostee und einer Kühltasche voller Snickerseis.

Dort würden dann Simone de Beauvoir und Angela Lansbury sitzen und ich könnte ihnen zu allererst mal „Danke“ sagen.
(Wer sich fragt, warum Angela Lansbury, kann das hier nachlesen. Und wer sich fragt, warum Simone de Beauvoir, der darf sich gerne eine Kopfnuss abholen.)

Da sitzen wir dann und plaudern, und irgendwann darf ich den Damen von Oz meine Wünsche darlegen.

1. ein Stündchenhotel

Ich würde sehr viel darum geben, ab und zu in einer sauberen 5-Sterne-Umgebung ein Nickerchen zu machen. Oder eine Haarkur, die ich nicht sofort ausspülen muss. Oder einfach mal irgendwo rumzuhängen, wo ich später nicht aufräumen brauch. Nur ein Stündchen…

2. ein Holodeck

Ich würde meinem Mann an usseligen Wintertagen sein Rennrad in die Hand drücken und ihn in die sommerliche Col du Galibier Alpenpass-Simulation schicken. „Da nich‘ für, Schatz. Go nuts!“

Ich würde für meine usseligen Tage eine herbstliche Sankt Peter Ording Simulation programmieren, wo ich am Strand sitze und niemand mitbekommt, dass ich auf meinem iPod heimlich „Biscaya“ von James Last höre.

3. ein Zeitreisebüro

Ich würde ein Hin- und Rückreiseticket für den Abend des 29.12.2004 buchen, um meinem Vater „Ich liebe Dich“ zu sagen, statt „bis morgen“, weil es diesen Morgen leider nicht mehr gab. Ich würde ihm die Fotos seiner noch ungeborenen Enkelkinder zeigen und ihn fragen, warum er mir von all den absurden Dingen ausgerechnet seine Nase vererben musste.

Und während ich so mit Angela und Simone dasitze und plaudere, komme ich auf einmal wieder zu mir…

Ich liege mit dem Gesicht in einen Haufen Legosteine, weil ich mir soeben an einem Schrägbalken im Kinderzimmer beim Staubsaugen so dermaßen den Kopf gestoßen habe, dass ich tatsächlich für einen kurzen Moment das Bewusstsein verloren habe.

 

S‘ ist nirgends besser als daheim…

 

Im Krankenhaus wird später eine Gehirnerschütterung mit Schädelprellung diagnostiziert.

Ärztin: „Was machen sie beruflich?“
Ich: „Ich bin in Elternzeit.“
Ärztin: „Normalerweise würde ich sie jetzt eine Woche krank schreiben, aber in dem Fall versuchen sie einfach, sich so gut es geht zu schonen.“

Jetzt weiß ich, was ich mir von den Damen von Oz wünschen würde. Vergesst das Stündchenhotel, Holodeck oder Zeitreisebüro.

Ich würde mir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wünschen.

Für Mütter!

 

Für Dr. Who,

den ich bitten möchte, an mich zu denken, wenn er mal in der Gegend ist und eine Gefährtin für einen Zeitreisetag braucht. Ich wüsste da was…

 

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9 Gedanken zu “Die Damen von Oz

  1. Oh ja, die Krankschreibung für Mütter finde ich gut. Nachdem meine kleine Maus mich die lechten Tage echt kolossal genervt hat, weil sie erkältet ist, hat sie mich auch noch angesteckt. Jetzt liegen wir eben beide zu Hause rum und sind nervig und maulig…
    Gute Besserung wünsche ich dir!

    LG
    Daniela

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      1. Alles klar, mach ich! Wenigstens sagst Du – im Gegensatz zu meiner Meute daheim – Bescheid, bevor Du mich massakrieren wirst! 😉 😀

        Oh, ach so: Was soll sie denn kosten, die Traumreise? Hätte hier grade noch ca. 3 Butterbrote (in Krümeln als Bausatz), eine Buchseite, von der keiner weiß, zu welchem Buch sie gehört und einen angelullten LöBi! 😛 😉

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  2. Ich hab Dich ganz dreist und ohne zu fragen für den one-lovely-blog-award nominiert und hoffe, dass ich Dich damit nicht nerve. 🙂 es geht darum, im Sinne des Mamas-Mäuse-Blogs (http://mamasmaeuse.wordpress.com) 7 Fakten von sich zu verbloggen und dann 15 andere Blogger zu nominieren.
    Also: solltest Du was schreiben, les ichs bestimmt. Und sonst les ich eben alles andere, was Du schreibst ^^

    Liefs,
    Minusch

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  3. Hi,
    die wunschliste einer Mutter liese sich wohl kaum schöner verfassen… Danke
    wenn ich Dr, who jemals treffe, schick ich ihn bei dir vorbei, Du hättest es definitiv verdient und die Geschichte die Du dann zu erzählen hättest würde mich sicher geanuso rühren wie die „3. Zeitreisebüro“ heute.

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