Ab heute geh ich ohne Feuchttücher auf den Spielplatz

Oder: Schade, dass man das zweite Kind nicht zuerst bekommt.

Wenn man schon 70 Stunden die Woche in einem OP ohne Labor oder Röntgenkontrolle mitten im indischen Niemandsland gearbeitet hat, sollte man meinen, dass einen nichts mehr schocken kann. Da hatte ich allerdings auch noch nicht mein erstes Kind bekommen.

Mit einem Kind wird eine Resettaste im Leben gedrückt und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Die ersten Wochen fühlen sich an, als ob man unter dem permanenten Einfluss einer miesen Flasche Rotwein Origamischwäne faltet oder sich statt zu schlafen lieber zum x-ten Mal verheult einen Milchstau wegduscht.

Dabei wollte ich doch mich und mein Baby in einem Tragetuch durch eine flotte Kangastunde wuppen, statt im Internet lauter Scheiße zu recherchieren (wieso ist die plötzlich grün, wenn das Kind erhöhte Temperatur hat… und wann zur Hölle spricht man eigentlich genau von dieser erhöhten Temperatur?).

Gibt es etwas tragisch-komischeres, als eine schweißnasse Mutter, die ihr sich windendes, über und über in kaltgepresstem Bio-Mandelöl getränktes Kind anfleht, sich jetzt bitte endlich zu entspannen?

Welche Mutter würde am liebsten ihre Nachbarin verklagen, weil sie dem Baby ungefragt einen Weißmehlzwieback geschenkt hat? Und welche Mutter putzt ihrem Baby nachts nach der Akutglobuligabe im 10-Minuten-Takt den ersten Zahn?

Gestatten: ich.

Ein neurotischer Einzelfall unter frischgebackenen Müttern? Schön wärs.

Es wurde also dringend Zeit, dass ich mich in diversen Babyschwimmstillmusikkrabbelmassagekursen von anderen Müttern erden ließ.

Was ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass ein Haufen Erstlingsmütter für eine Erstlingsmutter ungefähr so nützlich ist, wie eine Schule voller Kindergartenkinder, die sich gegenseitig Lesen und Schreiben beibringen wollen.

Ich habe nach meiner ersten Pekipstunde den ganzen Heimweg über im Auto geweint, weil mein Sohn der Einzige in der Gruppe war, der mit 10 Monaten den Kopf noch nicht heben konnte und wollte ernsthaft meine Autoschale wieder umtauschen, weil eine Mutter sie als bei Stiftung Warentest „nur mit gut getestet“ identifiziert hatte. Wenn sie mich eine heroinspritzende Hure genannt hätte, wäre ich vermutlich genauso verletzt gewesen.

Nehmen wir nur mal die unbedarfte Frage nach einem wunden Hintern. Sozusagen der Klassiker unter den „Was-soll-ich-jetzt-nur-machen“ Fragen des mütterlichen Alltags.

„Du musst dir UNBEDINGT die Honigwundsalbe von Burt’s Bees bei Amazon bestellen.“

„Aber die hat doch tausend Allergene. Nein, nein, du musst dir UNBEDINGT das Ingeborg Stadelmann Lavendelhydrolat in der Bahnhofsapotheke bestellen.“

„Es gibt nichts besseres als Heilwolle. Du musst dir UNBEDINGT Heilwolle besorgen. Ich bestelle die immer beim Hans Natur.“

„Wir lassen unsere Heilwolle immer direkt beim kBa-zertifizierten Bauern vor Ort scheren und walken dann unsere eigenen Windeln. DAS solltest du UNBEDINGT mal ausprobieren.“

Abgesehen von Scheren und Walken habe ich tatsächlich alles brav gemacht. Heute würde ich wohl eher „Die Ritter der Kokosnuss“ zitieren: „Erklärt mir doch bitte noch einmal, wie man mittels Tütenaufblasen Erdbeben verhindern kann!“

Jetzt kann man da drüber lachen. Aber wenn man gerade erst Mutter geworden ist, lastet diese neue Welt oft viel zu schwer und ernst auf unseren ungeübten Schultern. Alles will man richtig machen. 100%. In unserem ersten Muttertagszeugnis soll „zur vollsten Zufriedenheit“ stehen. Deswegen hat man für jeden Ratschlag, sei er hilfreich oder abstrus, ein offenes Ohr oder Portemonnaie.

Bis die Notbremse gezogen wird. Denn die müssen wir irgendwann ziehen, wenn wir nicht irre werden wollen.

In meinem Fall war das ein spätsommerlicher Septembernachmittag. Es waren bereits ein paar Tage vergangen, seit mein Sohn seine 1. Kerze auf dem ei-, zucker- und mehlfreien Möhrenkuchen ausgepustet hatte, als ich mit ihm auf dem Spielplatz saß. Er spielte im Sandkasten zwischen meinen Füßen und dem prall gefüllten Rucksack voller Picknickutensilien und Wechselwäsche.

Mir gegenüber saß eine Mutter, deren Kinder ebenfalls den Sandkasten umgruben. Und während sie so da saß und ihr müdes Gesicht der spätsommerliche Sonne entgegenstreckte, schenkte sie mir kurz ein verschwörerisches Lächeln, als ihr Sohn, mit wohligem Gegrunze, seine Schaufel ablutschte. Dann schloss sie wieder die Augen und hielt ihr Gesicht weiter in die Sonne.

Die Szene hat mich sehr berührt. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann also zumindest auf der anderen Seite des Sandkastens einen Tornado auslösen.

Denn diese Frau wirkte, so ganz und gar im Gegensatz zur mir, trotz ihrer Müdigkeit angekommen.

Sie strahlte eine herrliche Scheißegal-Launigkeit aus und wirkte dabei zufrieden. Müde, aber zufrieden. Nicht liebevoller oder abgeklärter, schlauer oder empathischer als andere Mütter, sondern einfach wunderbar undurchgeknallt.

Da begriff ich, dass wenn ich meinen 40. Geburtstag ohne Betablocker oder Kuraufenthalt erleben wollte, ich endlich mit diesem (an dieser Stelle zitiere ich gerne meinen heute 5 Jahre alten Sohn, wenn mal wieder die Erbsen auf der falschen Seite des Tellers liegen) „Scheißkackverdammtscheißkack“ aufhören musste.

Ich musste mich (und das musste ich tatsächlich UNBEDINGT) endlich verflucht noch einmal locker machen!

Ich musste aufhören, mich ständig in Frage zu stellen und alles, was nicht sofort reibungslos lief, meinem persönlichen Versagen in die Schuhe zu schieben. Ich hatte viel zuviel Zeit darauf verschwendet, auf andere Leute zu hören oder Apfelscheiben sternförmig auszustechen, anstatt wirklich und wahrhaftig zur Ruhe zu kommen um endlich diese feine, leise innere Stimme zu verstehen, die alle Intuition nennen, und die ich bis dato vergeblich gesucht hatte.

12 Fahrstunden habe ich gebraucht, um meinen Führerschein zu erhalten. Tatsächlich habe ich Jahre gebraucht, um Autofahren zu können. Warum hatte ich also angenommen, dass mit dem Kind auch die Erfahrung geboren wird?

Ich beschloss von nun an, dass es okay ist, wenn ich die Unterseite des Pulloverbundes zum Naseputzen der Kinder hernehme oder das ein 5 kg Rapunzel Basismüsli und ein Nutellaglas eine friedliche Koexistenz in meinem Küchenschrank führen können.

Dass ich ihnen ab und zu ein Filly-Bob-der-Baumeister-mit-Plastikschißkram-Heft kaufen kann, ohne gleich mit geistiger Verwahrlosung zu rechnen.

Ich würde auch aufhören, so zu tun, als würden wir ausschließlich im Urlaub an der Autobahnraststätte ausnahmsweise zu Mc Donalds fahren, weil ich nach einem langen Samstag im Schwimmbad sehr wohl die Vorzüge einer schnellen Pommes zu schätzen weiß.

Ein wunder Hintern ist für alle Beteiligten nicht schön und manchmal schlimm, aber er bedeutet nicht das Ende der Welt.

Und wenn man dann noch hergeht und die ganzen anderen Mütter in seinem Freundes- und Bekanntenkreis sorgfältig durchsiebt, sollten nur noch die hängen bleiben, die einem am Ende einfach nur die Hand halten, wenn man sich über seinem Milchkaffee ausweint und nicht diejenigen, die immer alles besser wissen.

Ich war heute auf dem Spielplatz.
Ich habe mein Gesicht der Sonne zugewandt und die Schatten fielen hinter mich.
Und das Beste: Ich hatte keine Feuchttücher dabei.

 

Für Nadine, die mir erst letztens wieder meine Hand hielt.
Und für Julia, die mit dem Aussieben beginnen sollte.

 

128 Gedanken zu „Ab heute geh ich ohne Feuchttücher auf den Spielplatz

  1. Toller Blog, hat mir heute einen guten Start in den Tag beschert! Weiter so, freu mich, in Zukunft mehr von dir zu lesen. 🙂 Lg

  2. Gleich an die Erstlingsmamafreundin geschickt damit sie versteht das sie nicht die Einzige ist! DANKE <3 (Der Vergleich mit den Kindergartenkindern in der Schule – BESSER hätte man es nicht erklären können!!!) Liebe Grüße! Moni und ihre zwei Rabauken (wovon der zweite mit Vorliebe Sand futtert *lach*)

      1. Genau so ist es! Man glaubt immer, man selber ist der einzige Versager, dabei sind die anderen genauso schlimm (oder schlimmer). Und dann immer dieses „aber ich MUSS doch glücklich sein“. Echt fies. Aber wehe, man antwortet einmal halbwegs ehrlich auf die obligatorische Frage „wie geht es dir?“ … dann erntet man so entsetzte Gesichter, dass man befürchten muss, dass gleich das Jugendamt informiert wird über die nicht im Mindestmaß verzückte Mutter.

  3. Perfekt. Ich war auch so eine. Damals bestand die ultimative Erleuchtung noch nicht in Heilwolle sondern in Einlegetüchern aus Bourette-Seide auf Stoffwindeln in Schafwoll-Windelhosen. Es ist über 30 Jahre her und ich lebe noch. Die Kinder auch. Zur Entschuldigung aller Turbo-Perfektionsmütter dieser Sorte sei aber gesagt: Es ist EINE Methode, eine tiefe Bindung zu leben – und nicht die schlechteste.

  4. es ist wirklich so, relax. inzwischen ist bei mir Kind Nummer 3 schon 5 und ich werde nie eine perfekte Hausfrau und nie eine perfekte Mutter sein. Aber ich liebe meine Kinder und wir haben Spaß und manchmal sonne ich mich einfach und lasse sie spielen ;).

  5. es stimmt, man wird mit jedem kind relaxter!!! es geht auch nicht anders, sonst wär man ja permanent am rotieren… und nicht nur die freundinnen/bekanntschaften sollte man aussieben sondern generell die ratschläge, die man so erhält – einfach das mitnehmen, was man brauchen kann, zum rest einfach nicken und dann vergessen…

  6. Einfach nur treffend geschildert.
    Nachdem ich mehrmals die Krabbelgruppe besucht habe, habe ich mich bewußt dazu entschieden keine weiteren Kurse mit Müttern und Kindern unter einem Jahr zu besuchen.
    Ich danke dir für deine Worte… Ich bin froh das es einigen genauso ging und ich den richtigen Weg gegangen bin mich einfach mal zu „entspannen „

  7. ein echt klasse Artikel, ich musste beim lesen herrlich oft grinsen, denn ich glaub jede Mutter kennt deine geschilderten Dinge nur zu gut, hab deinen Beitrag gerne mal auf meiner Seite geteilt und einigen Erstlingsmama´s gesendet;)
    Lieben Gruß
    Petra

  8. Wunderbar! Danke für diesen schönen Start in einen hoffentlich sonnigen Tag, an dem ich die Schatten auch hinter mich fallen lassen kann! Freu mich auf mehr von dir! LG

  9. Hach, wie schön! 😀
    Bei mir dauerte diese Phase zum Glück nur knapp ein Jahr. Dann habe ich kapituliert. Nicht, weil ich so eine „Erleuchtung“ wie Du hatte, sondern weil ich schlicht nicht mehr konnte.
    Seitdem ist bei mir alles deutlich entspannter und vor Allem geht es mir besser. Und wenn dann einer die Nase rümpft, dass unsere Wohnung mit 3 Kindern nicht immer wie geleckt aussieht oder aber ich mich weigere, Kleinkinderklamotten zu bügeln, dann ist mir das schnuppe!
    Schließlich will ich auch meinen 40. erleben, da braucht es keinen Zusatzstreß, da reicht der, den man so schon hat! 😀
    Liebe und halbentspannte Grüße!
    Molly
    (Halbentspannt weil Baby irgendwie meint, dass 5 Uhr eine gute Zeit zum Wachmoppern wäre, *seufz* 😉 )

      1. Och Du, ich kenne auch die Gegenextreme: Sich entweder kaum ums Kind kümmern oder aber „lebenslang“ drumrumhelikoptern; das sind dann die, die ihren Söhnen noch mit Mitte 20 die Hemden waschen und bügeln. Das wüßt ich aber! 😀

  10. Das ist so wunderbar geschrieben und ich sehe mich darin absolut wieder! Was habe ich mich bei meinem ersten Kind verrückt gemacht oder auch verrückt machen lassen… Jeder wusste alles besser und diese unendlich unerwünschten Tipps, die es gab, eine schreckliche Zeit! Und ja, beim Zweiten habe ich keine Erziehungsheftchen mehr gelesen, habe allen Tipps gebenden Müttern zu verstehen gegeben, dass ich nicht interessiert war und habe mein Leben mit den Kindern einfach nur genossen!
    Solche Berichte, wie Deine sollten ausschließlich in den sogenannten Erziehungsratgebern stehen!

    Liebe Grüße, Sabine

  11. Jetzt bin ich doch irgendwie erleichtert, dass ich mit meinen Zwillingen nie in irgendwelche Gruppen/Kurse gehen konnte (fehlte die Zeit oder die dritte und vierte Hand). Zum putzen hatte ich bei meinen kurzen Zwischenpausen schlichtweg keine Lust und hab sie zu Beginn nur mit schlafen gefüllt…
    Dafür bin ich doch immer noch recht entspannt…😁👍😄

  12. Wunderbar – und ich habe drei erste Kinder* . Wie konnte ich diesen potenzierten Drillings-Wahnsinn nur überleben?
    *heute sind die drei schon 16 und ich lebe noch – ob ich den Pubi-Wahn auch überstehen werde? 🙂

    1. Als Mehrlingsmutter hat man sicher einfach keine Zeit für solch hanebüchenen Anfängerblödsinn, weil man täglich um das nackte Überleben kämpft. Drillinge…soviele Hüte kann ich gar nicht aufsetzen, wie ich sie gerne vor die ziehen würde…Alles, alles Gute!!!!

  13. Oh Gott, ist das gut! Danke! ♥ ich habe gelacht und zustimmend genickt, bis mir der Nacken schmerzte. Wundervoll geschrieben und so verdammt scheiße noch eins wahr! 🙂

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Ich werde meiner Mutter deinen Kommentar zeigen, damit sie endlich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die in einem positiven Zusammenhang das Wort „Scheiße“ ins Internet schreibt. Vielen Dank =D

  14. Und ich hatte einen „Hausmann“. Und wagte 18 Monate später das Zweite. Würde ich niiiie wieder machen. Acht Jahre später die Dritte. Berufstätigkeit und Mutter sein. Was hat man uns das so locker geredet. Meine Mutter war es ja auch. Aber nicht nach 8 Wochen. Ohne Job hätte bei uns das Sozialamt helfen müssen. Papa brachte die Kinder zum Stillen oder nachts wurde abgepumpt. „Schwangerschaft und Kinder ist ja keine Krankheit“. Kluge Worte von kinderlosen Kolleg/innen. Nie, nie wieder. Und dann dieses Arbeitgeber Drama bei Elternabenden. Als ob man da gerne hingehen würde. Wieder ein Urlaub weg. Ich instruiere heute meine Kinder 18, 17,10. „Macht euch keine Illusionen. Niemand wird euch helfen. Also ganz spät. Ab 38, oder gar nicht.

  15. Wow. Ich bin platt, das liest sich so wunderbar. Ich muss sehr viel schmunzeln, hier findet sich sicher jede Mutter in irgendeiner Weise wieder. Und du hast so recht! Viel Spaß im neuen entspannteren Mutterdasein.

  16. Gott sei Dank habe ich mich beim ersten nicht lange verunsichern lassen. Das war ein tolles und meist auch entspanntes erstes Jahr und ich freue mich jetzt schon – mein Son ist anderthalb – ist auf mein zweites Kind Anfang 2015. Die Krabbelgruppe in der wir waren war eher eine Selbsthilfegruppe, die ich recht zügig verlassen habe. Denn ich hab meinen Sohn und sein Verhalten nie sls Problem gesehen. nichtdestotrotz ertappe ich mich aber regelmäßig dabei wie ich das Internet nach den wildesten Ausschlägen und Krankheiten durchforste. Auch die Anschaffung neuer Möbel wird erst msal von diversen Öko- und Warentest begleitet, bis ich mir irgendwann an den Kopf fasse und ich blind eines bestelle… Manches sitzt einfach sehr sehr fest.

  17. Was für ein herrlicher Artikel. Ich hatte großes Glück mit meinen Muttikontakten, die meisten lagen im großen und ganzen mit mir auf einer Wellenlänge – wir haben uns nicht völlig verrückt gemacht. Ein bisschen gehört wahrscheinlich dazu 😉 Wichtig ist auch, dass man sich eine Hebamme sucht, die zu einem passt.

  18. Super, großartig, vielen Dank. Das hilft mir darüber zu schmunzeln, dass meine Kinder heute mal wieder nur mit einer halbherzigen Katzenwäsche-weil-überdreht-und-müde-gewesen ins Bett gegangen sind.

  19. Ich musste lachen – Schöner Beitrag. Beim ersten Kind waren wir auch Spielball von GU Ratgebern, Ärzten und der Hebamme. Glücklicherweise kannten wir noch nicht so viele andere Mütter 😉 Wir haben meiner Mutter (selber seit 30 Jahren Hebamme) beim ersten Mal Babysitten allen Ernstes ein Handbuch mitgegeben – ich bin heute noch verwundert dass Sie nicht laut gelacht hat.

    Inzwischen sind wir über das Stadium etwas hinaus – meine Frau verbloggt Ihren Alltag mit sechs Kindern unter klaresbuntesglas.de

    1. „Wir haben meiner Mutter (selber seit 30 Jahren Hebamme) beim ersten Mal Babysitten allen Ernstes ein Handbuch mitgegeben…“ Das ist ganz, ganz großes Tennis im Bereich der Erstlingselternbeichten. Vielen Dank =D

  20. Das ist so treffend geschrieben! Ich erkenn mich in vielem wieder! Aber Gott sei Dank kann ich jetzt auch das Gesicht in die Sonne halten! 🙂 Danke für den schönen Beitrag! 🙂 ♡

  21. Treffer – versenkt. *lach* Ich hab meine Entspannung erst mit dem zweiten Kind wieder bekommen. Beim dritten läuft nun einfach alles. ;o) Danke für diesen wunderbaren Post. Auch ein guter Punkt, sich mal an die eigene Nase zu fassen, was die Besserwisserei angeht. Denn mittlerweile glaub ich ja auch, das ich einiges UNBEDINGT richtig weiß. *gg*

    Liebe Grüße
    Sarah

  22. Hihihi – du hast es absolut voll auf den Kopf getroffen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich aufgrund meines doch fortgeschrittenen Alters eher entspannter mit manchen Themen umgehe. Das hat sich null bewarheitet. Im Gegenteil, mein erstes (und leider auch letztes Kind) hat mich nach 5 Monaten schnell in eine verspätete postnatale Erschöpfungsdepression hinein katapultiert. Es lag natürlich nicht am Baby, sondern an der Tatsache allein erziehend und ohne Familien-Anschluss da zustehen und in der Krabbelgruppe gab es genau DIE besserwisserischen Mamis, die mir nicht wirklich gut getan haben. Das erste Jahr war hart aber sobald ich durch einen Kita-Platz mehr Luft und Zeit für mich allein hatte, wurde es besser. Heute kann ich das Mutter sein genießen und schaffe mir Freiräume – wo ich nur kann – das ist für unsere Mini-Familie das A und O

  23. Wenn ich das so lese bin ich doch froh, dass meine Mutter nicht so war. Gut, waren andere Zeiten *schmunzelt*
    Andererseits fragt man sich bei manchen Tipps und Tricks dann doch ernsthaft, wie es die vorherige Generation überlebt hat.

    Toller Beitrag, einfach Schnurrig.

  24. Ich war schon immer eine „Rabenmutter“ und finde es herrlich entspannend. Taschentücher hab ich nie dabei, Feuchttücher erst recht nicht, Picknickrucksack, Wechselwäsche…alles Quatsch. Und eine gute Portion Dreck im Mund bringt einen nicht um sondern macht stark:-) Blaue Flecken und Beulen gehören zum Toben dazu und es gibt kein schöneres Schauspiel für alle Mütter auf dem Spielplatz als ein bockendes Kind- das sich früher oder später von alleine wieder einkriegt:-) Ich glaube mir fehlt das Helikopter-Übermutter-Gen und ich bin nicht böse drüber. Ich glaube sogar, dass meine Kinder dankbar dafür sind;-)
    Es gehört heutzutage schon ziemlich viel Mut dazu, sein Kind nicht vegan, geschweige denn „Bio“ zu ernähren, keine Frühförderkurse zu besuchen, weitergegebene Klamotten zu tragen, und das Kind mit Tobesachen in die Kita zu schicken, sich nicht mit Homöopathie auszukennen, Wegwerfwindeln zu benutzen, keine Erziehungsratgener zu lesen und lediglich zu Vorsorgeuntersuchungen zum Arzt zu gehen und sein Kind alleine klettern und rutschen zu lassen, auch auf die Gefahr hin, dass es stürzt, und wenn es stürzt, nicht sofort loszustürmen und es bis zum Heulen zu trösten, sondern einfach Zuschauer zu sein und den Instinkt anzuschalten bei der Entscheidung, ob man sofort helfen sollte oder das Kind sich selber zu helfen weiß. Meine Kinder sind selbständig, selbstbewusst, sozial, empathisch und können sich sicher sein, das ich hinter ihnen stehe und helfe, wenn sie um Hilfe bitten oder dieselbe offensichtlich brauchen. Oft braucht es das aber garnicht:-)
    Und somit recke auch ich entspannt meine geschlossenen Augen gen Sonne- oder lese ein Buch- oder quatsche mit anderen netten Muttis- so lange bis der Sandmann kommt…

  25. wirklich schöner Beitrag. Allerdings muß ich sagen, dass letztlich all die Ehrlichen Mütter hier doch nur mit einem Lächeln ehrlich auf die Vergangenheit schauen. Ich weiß nicht wie es akuten Erstlingsmüttern mit diesen Beiträgen geht. Ist es doch auch der gute rat UNBEDINGT mal zu Entspannen, auch wenn man leider immer noch nicht weiß wo der Persönliche Schmetterlingsflügelschlag stattfindet der einem zeigt wie.
    Ich bin bereits zwei fache Mutter und ja ich mache mir weniger Stress mit meinem zweiten. Aber ich weiß leider immer noch nicht wie man aufhört Perfekt sein zu wollen. Nachdem wir 8 Wochen nach der Geburt unseres zweiten Kindes in ein eigenes Haus gezogen sind, bin ich von den beiden (die ich über alles Liebe) und dem Haushalt/Mutter/Berufsleben immer noch so übervordert, dass ich erstmal eine Kur antrete.
    Glückwunsch allen die es ohne Kur geschafft haben und jetzt wissen wie man sich locker macht. Ich melde mich dann mal wieder wenn meine Kinder nicht mehr 3 einhalb und 22 Monate alt sind und ich es hoffentlich doch irgenwann in Euren Kreis der Entspannten genießer schaffe.

  26. Sehr schön beschrieben, wie man unter Druck gerät, weil einem „die anderen“ einreden wollen, sie wären perfekt (nur, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass auch sie es nicht sind 😉 )
    Bedauern wächst in mir nur für all jene Einzelkindmütter, die es selbst nicht schaffen, sich aus dieser Phase zu befreien, und mangels Zweitkind auch nie dazu genötigt werden …

  27. Ja, irgendwann versteht man das. Das zB die vom Bruder geklaute Schoki kein Weltuntergang ist, man auch mal erst 22 Uhr ins Bett gehen kann, ohne dass die Kleinen Tyrannen werden, oder dass die Beule dazugehört, wenn Mausi unbedingt allein das Klettergerüst erklimmen will. Man versteht, dass eben nicht immer Alles nach Plan verläuft, Tobschutsanfälle mitten in der Stadt dazugehören und man als Mama NIE perfekt sein muss. Man weiß auch irgendwann, dass nicht jede, die es schreibt, jeden Morgen nur Vollwerthaferflocken mit Obst serviert, oder auf ewig jede Süßigkeit versteckt. Wozu auch? Wir lieben unser Eis doch auch 🙂
    Das Leben ist schön, vor allem mit Kindern, wenn man nur ein bisschen loslässt.

Kommentar verfassen