Revenge is a dish best served hot

Oder: Was soll ich kochen?

Aus aktuellem Anlass möchte ich gerne versuchen, heute ein sehr hausfrauenmäßiges Problem aus der Welt zu schaffen. Wenn ich (wie tausende andere Leute) zu Hause frage: „Was soll ich kochen?“ antworten alle: „Is‘ mir egal“.

An manchen Tagen bekomme ich von dieser Ignoranz so dermaßen schlechte Laune, dass ich diverse Rezepte für Innereiengulasch googele….und dennoch kein einziges koche. Mag sein, dass in diesem Fall meine Schmerzgrenze über meinen Sadismus siegt, aber wenn ich mich schon hinstelle um zu kochen, dann sollte mir wenigstens die Last meiner eigenen Ideenlosigkeit abgenommen werden.

Und – plopp – fällt mir meine Mutter ein. Jetzt nicht wegen Sadismus oder Ideenlosigkeit, sondern wegen ihrer ganz eigenen Nonchalance, Probleme dieser Art zu lösen.

Wenn wir nämlich ihre Essensfrage mit „Is‘ mir egal“ beantwortet haben, hat sie immer Apfelpfannkuchen gemacht. Okay, das klingt jetzt nicht besonders spektakulär, aber sie hat es einfach jedes Mal gemacht.

JEDES VERDAMMTE MAL!

Und auch wenn Apfelpfannkuchen jetzt kein Innereiengulasch ist, überlegt man sich nach dem 8. Apfelpfannkuchentag in Folge schon genauer, was man als Antwort gibt.

Diese besondere Form von Heimtücke kommt hier im Gewand des Lieblingsgerichtes daher und ist so herrlich harmlos Mary-Poppins-mäßig, dass wir für diese Art der Manipulation nicht einmal Ärger von Jesper Juul bekommen würden.

Die Lösung lautet also: Ein persönliches „Is‘ mir egal“-Rezept.

Bei der Auswahl des persönlichen „Is‘ mir egal“-Rezeptes gibt es im Grunde lediglich drei Dinge zu beachten:

1) Es sollte schnell und unkompliziert sein.

Wenn man nämlich schon in dieser typischen „Was-soll-ich-kochen?“-Stimmung ist, hat man in der Regel wenig Lust, einen gebratenen Seeteufel mit Apfelrisotto in irgendeinem Mantel zu servieren.

2) Man muss konsequent bleiben.

Man muss bereit sein, wirklich jedes Mal, wenn die „Is‘ mir egal“-Antwort auf eine Essensfrage folgt, das „Is‘ mir egal“-Rezept zu kochen, selbst wenn es allen Teilnehmern bereits aus den Ohren herausspritzt.

3) Wie weit geht mein persönlicher Sadismus?

Das Innereiengulasch könnte sicherlich – einmal gekocht – dem ganzen „Is‘ mir egal“- Zirkus ein sofortiges Ende bereiten. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass immer auch ein Großteil der Sympathie eingebüßt wird, wenn man auf die dunkle Seite des Kochbuches wechselt.

Erfreuen wir also den ignoranten Haufen an unserem Esstisch lieber (vorerst) mit einem positiv besetzten „Is‘ mir egal“ Rezept und geben ihnen zusätzlich zwei wertvolle Lektionen fürs Leben mit:
1. „Wähle deine Worte mit Bedacht“ und 2. Wie viel und wie oft kann so ein „Is‘ mir egal“-Gericht eigentlich in Folge konsumiert werden, bis die Stimmung oder der Magen kippen?

Also auf gehts!

Wälzen wir unsere Kochbücher oder das Internet. Ob Apfelpfannkuchen oder Innereiengulasch, konziliant oder intrigant. Treffen wir jetzt eine Entscheidung, damit dieser „Was-soll-ich-kochen“-Hickhack künftig der Vergangenheit angehört.

Viel Spaß bei der Auswahl!

Und all jenen, die keine Idee haben, stelle ich im Anschluss an diesen Beitrag mein persönliches „Is‘ mir egal“-Rezept zur Verfügung. Ob das nun eine gute oder gehässige Wahl ist, sollte der individuelle Geschmack entscheiden.

 

Für Harmonika sen.,
die mir verlässlich Apfelpfannkuchen backt, wenn ich mich mal wieder selber zum Essen einlade und es mir „egal“ ist, was sie kocht.
—–

Mein persönliches „Is‘ mir egal“- Rezept für zwei große und zwei kleine Leute

Foto: Andrea Litzenburger

Zutaten:

  •      1 großes Glas dicke grüne Bohnen
  •      1 mittleres Glas weiße Bohnenkerne
  •      so viele Kartoffeln, wie einen persönlich glücklich machen und noch in den Topf passen
  •      1 Bund Suppengrün
  •      1 TL Kümmel und1 TL Bohnenkraut
  •      1,5 L Gemüsebrühe
  •      optional 3-4 Mettewürstchen

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, klein schnippeln und vorab ca. 10 Minuten garen.

Die Mettwurst und das klein geschnippelte Suppengrün kurz anbraten, mit 1,5 L Gemüsebrühe aufgießen und den abgetropften, weißen und grünen Bohnen*, sowie dem Kümmel und dem Bohnenkraut zusammenkippen und ca. 20 Minuten bei mittlerer Hitze garen.

* Anmerkung zu den grünen Bohnen:

Nachdem das Rezept so dermaßen simpel ist, dass es ebenso gut von einarmigen Affen nachgekocht werden könnte, dürft ihr ruhig vorab 10 Minuten investieren, um die dicken grünen Bohnen von ihrer wachsigen Hülse zu trennen.

Andernfalls schmeckt der Eintopf nämlich mit jedem Löffel, als ob man auf sämtlichen Teelichtresten der letzten Adventszeit rumkaut.

Einfach die Bohne zwischen Daumen und Zeigefinger kurz andrücken und die wachsige Hülse löst sich vom Bohnenkern.

Das ist auch eine tolle Arbeit für die Kinder, wenn sie beim Kochen helfen wollen. Wahrscheinlich werden sie ganze 2-5 Bohnen „schälen“, bis sie schreiend aus der Küche rennen.

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Haftungsausschluß:

Ich wünsche allen viel Spaß beim Nachkochen.
Und allen, die das Rezept nachkochen und zu Hause ein Familienbett unterhalten, wünsche ich gute Unterhaltung.

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27 Gedanken zu “Revenge is a dish best served hot

    1. Du bist nicht müde. Ich bin nur schusselig. So ist das, wenn plötzlich Leute tatsächlich anfangen, deine Inhalte zu lesen und einen enttarnen ;-). Ich werde es sofort korrigieren (hab aber auch ehrlichwerweise keinen richtigen Plan, wieviel Kartoffeln eigentlich… das ist so ein spektakulärloses Zusammenschüttrezept). We’ll see…

      Gefällt mir

  1. 😀 😀 😀
    Klasse Idee, nein, wie genail!
    Werde ich mir merken!
    Vor Allem, wenn mein Mann mal wieder unter chronischem „Mir egal!“ leidet!
    Muahaha!
    Werde mir gleich was überlegen; allerdings etwas Unkomplizierteres als bei Dir, das artet ja schon wieder in Arbeit aus!
    … Oh, ich weiß was: Dank meiner genialen, *hüstel*, Kochkünste kann mein Mann nämlich keinen Dosensuppe mehr sehen, dafür liebt er meine selbstgemachte!
    Wenn es ihm also demnächst ehal ist, kommt ein schöner Doesnhühnertopf auf dem Tisch: Ich habe weniger Arbeit und er wird es sich das nächste Mal zwei Mal überlegen! 😀
    Hihihi, gleich mal ein paar Dosen auf Vorrat kaufen, echt genail Deine Idee, dafür verleihe ich Dir den „Award der gequälten Hausfrau“! 🙂

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  2. Hab zwar keine ideenlosen Kinder, aber einen entscheidungsschwachen Mann und werde deinen Ratschlag beherzigen. Jetzt gibts IMMER Karotten-Ingwer-Suppe. Die mag er, und die Zutaten hab ich immer im Haus. Mal schauen, wie viele Liter er davon essen kann. Hrrhrr.

    Liebe Grüße
    Nadja

    Gefällt 1 Person

    1. Verdammt, ich habe ja hier schon kommentiert. Ach egal, weils so schön ist, gleich nochmal: ich bin so ein einarmiger Affe, was das Kochen angeht, deswegen ist bei uns mein Mann für die Küche zuständig. Sein persönliches ist-mir-egal ist Spinat als Beilage. Da nehme ich dann meine Beine (und den einen Arm) in die Hand und renne…uerks!

      Gefällt 1 Person

  3. Sehr schön und total genial wahrscheinlich für Teenager mit chronischer Unlust an allem.
    Leider bekomme ich auf die Frage, was ich kochen soll immer drei verschiedene Antworten: Nudeln mit Tomatensauce, Kartoffeln mit Quark und Grießbrei. Und wenn ich dann auch noch meinen Mann frage, sagt er: „Pfannkuchen!“, und lächelt dabei. 😀 Um dieses Problem zu umgehen bin ich dazu übergegangen einfach nicht mehr zu fragen, damit ich auch mal was kochen kann, was mir schmeckt.

    Liebe Grüße
    Anne

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  4. Ähm… Warum fühle ich mich jetzt ein wenig ertappt? Denn ich antworte ebenso regelmäßig, wie jeden Samstag vor dem Einkauf die Frage auftaucht „Was soll ich heute kochen?“ mit „Gänsebraten mit Knödeln und Blaukraut“. Hat es aber noch nie gegeben…
    Schade eigentlich.

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  5. Das! Ist! Genial!
    Meinst du, das geht auch für die Antwort „Weiss nich'“ ?

    Meine Töchter haben kürzlich eine WhatsApp-Gruppe gegründet für Essens-Vorschläge. Ich war ganz gerührt und geschüttelt.
    Allerdings kam bislang erst ein Vorschlag – da besteht also noch Verbesserungspotential. Aber die Absicht zählt 🙂

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  6. Deinen Blog vor kurzem an einem schwarzen Tag entdeckt. Seitdem nur mehr hellgraue gehabt. Soeben festgestellt wie unfassbar schwierig es ist, beim Lesen so leise zu lachen, dass neben einem liegende, mittagsschlafende Männer und Kleinkinder nicht aufwachen. Bisher erfolgreich, Gottseidank.

    Gefällt 1 Person

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